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Interview / Grafische Palette

2/2017

Bankenkrise bedroht Druckereien

Thomas Grübner, Geschäftsführer Elbe-Leasing, im Finanzierungs-Interview

GP: Die Medien sind voll von Berichten über die dramatischen Veränderungen in der Bankenlandschaft. Wie sehen Sie die Situation?

Thomas Grübner: Die Ausgangslage ist einfach: Aus der Kombination von neuen Spielregeln für die Banken und den Niedrigzinsen ist es tatsächlich so, dass die gesamte deutsche Bankenwelt, die ja wegen der deutschen Mittelstandskultur ganz anders aufgestellt ist als in anderen Teilen der Welt, extrem unter Druck geraten ist. Die bisherigen Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr. Die Konsequenz daraus wird sein, dass wir eine neue Bankenlandschaft und ein neues Bankangebot bekommen werden. In der Vergangenheit hatten wir drei Säulen: die Geschäftsbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank, dann die zweite Säule bestehend aus Sparkassen und Landesbanken und als dritte Säule die Volksbanken und Raiffeisenbanken. Diese drei Säulen werden in Zukunft immer mehr verschmelzen. Der kleinteilige Mittelstand, den es so in anderen Ländern nicht gibt, läuft jetzt Gefahr, vom Geld abgehängt zu werden. Dabei geht es nicht nur um

die Konditionen, sondern um die Frage, ob ich überhaupt noch jemanden finde, um meine Immobilien und Maschinen zu finanzieren.

 

GP: Warum sind Druckereien von dieser Entwicklung stärker betroffen?

Grübner: Die grafische Branche trifft das deshalb besonders, da

diese Sparte deutlich mehr Geld für Maschinentechnik braucht als andere Branchen. Druckereien benötigen auch Kontokorrentkredite mehr als andere Unternehmen. Hinzu kommt, dass die Großzügigkeit der Lieferanten in Sachen Finanzierung ebenfalls zurückgeht, da auch deren Warenkreditversicherer neue Regeln entwickeln.

 

GP: Was heißt das jetzt konkret für grafische Unternehmen?

Grübner: Die Banken werden immer stärkeren Risikoregeln unterworfen. Aktuell verfügen sie über 4 – 8% Eigenkapital, werden jetzt aber gezwungen, mindestens 10% Eigenkapital zu haben. Man spricht davon, dass es nach Basel IV sogar 20% sein sollen.

Je geringer die Risiken einer Bank, desto geringer ist das Eigenkapital, das sie vorhalten muss. Und jetzt kommen die Druckereien ins Spiel. Grafische Betriebe werden per se, und zwar, weil ihre Kennzahlen erheblich abweichen von dem, was im Mittelstand üblich ist, als größeres Risiko angesehen. Und das wird schlimmer. Die meisten Betriebe erkennen diese Veränderung nicht, weil sie zur Zeit noch eine halbwegs gute Rentabilität haben. Das kann aber ganz schnell anders werden. Da brauchen sie in einer Volksbank

vor Ort nur einen Vorstandswechsel – und schon ändern sich die Spielregeln. Dann werden Sicherheiten neu bewertet, Immobilien werden plötzlich niedriger bewertet. Da kann schnell eine Unterbesicherung entstehen. Dann werden auf einmal die Kontokorrentrahmen reduziert. So können selbst wachsende, zukunftsfähige Druckereien ausgebremst werden. Das wird in den nächsten fünf Jahren ganz viele Betriebe in unserer Branche treffen.

 

GP: Was müssen Druckereien tun?

Grübner: Im Prinzip zwei Dinge: In Druckereien muss man zunächst die Sensibiltät für Kennzahlen entwickeln. Sie glauben gar nicht, in wie vielen Betrieben das noch nicht professionell geschieht. Das Zweite ist, dass man sich nicht von einer einzigen Hausbank

abhängig machen darf. Viele machen das, weil es bequem ist und weil man dort bislang einen leichten Zugang hatte. Die Bankenfusionen ändern aber alles. Druckereien kann man nur raten, dass sie sich auf mehrere Beine stellen, also im Idealfall mit verschiedenen

Banken und Leasinggesellschaften zusammenarbeiten. Außerdem muss man eine vernünftige Eigenkapitalquote und eine erklärbare stabile Rentabilität vorweisen.

 

GP: Was meinen Sie: Wieviel Prozent der Druckereien wissen hierüber nicht Bescheid?

Grübner: 85%. Die meisten wissen noch, welche Kontokorrentlinie sie haben. Dass sie aber viel zu klein ist, und bei Banken die Kontokorrentrahmen im Schnitt zu nur 60% ausgelastet werden sollten, ist ihnen nicht bekannt. Was es bedeutet, wenn man sich immer an der Oberkante oder darüber bewegt, wird von vielen ignoriert. Erst recht, was sie zu ihrer Entlastung tun könnten. Viele Unternehmen haben bezahlte Maschinen, die man einbringen könnte. Man kann Factoring machen.

 

GP: Im Augenblick haben wir ja die Situation, dass wir von einer prosperierenden Volkswirtschaft profitieren. Das kaschiert manches.

Grübner: Ja, noch läuft es, und alle wissen, dass wir ruhige Jahre gehabt haben, dies aber irgendwann einknicken wird. Wenn man dann auf dem falschen Fuß steht, ist man verloren – und das übersehen viele. Viele »wurschteln« vor sich hin. Die Botschaft muss lauten: Macht Euch schlau! Ich bin der Meinung, dass jede Druckerei verstehen muss, dass sie sich neu ordnen muss. Dazu gehört auch, dass der Vertrieb als etwas Systemisches verstanden wird. Der kleinste Handwerksbetrieb muss verstehen, dass er um eine Professionalisierung nicht herumkommt. Und gerade bei der Finanzierung liegt hier vieles im argen. Die Regeln, die jetzt kommen, sind internationale Regeln. Auf den kleinteiligen deutschen Mittelstand nehmen die keine Rücksicht.

 

GP: Wie meinen Sie das?

Grübner: In Deutschland hat man viele Unternehmen, die von Handwerkern gegründet worden sind und heute 250 Mitarbeiter haben und vielleicht 20, 22 Mio. Euro Umsatz machen. So etwas gibt es in den USA nicht. Dort hat man entweder ganz kleine Unternehmen mit fünf Mitarbeitern oder ganz große Fabriken. Persönliche Beziehungen zum Kreditinstitut weichen nun Beurteilungen nach Kennzahlen. Die Ratingtools gewinnen immer mehr die Oberhand. Die Kenntnis über die Besonderheiten eines Unternehmens gerät ins Hintertreffen.

 

GP: Welche Auswirkungen prognostizieren Sie für die nächsten Jahre?

Grübner: Grafische Betriebe werden schon in den nächsten zwei, drei Jahren deutlich merken, welche Auswirkungen die veränderten Spielregeln auf ihre Finanzierung haben. Das hat gar nichts damit zu tun, dass eine Druckerei nun schlechter performt. Das hat

einfach damit zu tun, dass plötzlich Besicherungen anders bewertet

werden. Übrigens hat das auch Auswirkungen auf die Zulieferer. Eigentlich würden viele Druckereien jetzt mehr investieren, bekommen aber kein Geld dazu. Druckunternehmen, deren Geschäft erklärungsbedürftig ist, tun sich zunehmend schwerer.

 

Elbe-Leasing

Tel. 03 51 / 8 80 42 76

Thomas Grübner, Geschäftsführender Gesellschafter der Elbe-Leasing GmbH, Dresden.

Klotzscher Hauptstraße 1

01109 Dresden

Deutschland

 

Kontakt:  Herr Grübner

Tel.:   0351 – 880 42 76

Fax:   0351 – 880 50 10

Mail:  info(at)elbe-leasing.de